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Tipp 30.2 Fernes Berufsziel verlängert die Berufsausbildung

Anlage Kind

Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge haben Eltern für über 18 Jahre alte Kinder nur, wenn die Kinder sich noch in einer Berufsausbildung befinden und das 25. Lebensjahr nicht vollendet haben.

⇒    Ende der Berufsausbildung

Mit dem Ende der Berufsausbildung entfallen der Anspruch der Eltern auf Kindergeld und auf Kinderfreibeträge. In Handwerkerberufen endet die Berufsausbildung mit der Gesellenprüfung, in anderen Berufen mit der Gehilfenprüfung, in akademischen Berufen mit der Abschlussprüfung bzw. mit dem ersten Staatsexamen.

- Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses

Das Ende der Berufsausbildung tritt ein am Tage der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses, so das Sächsisches Finanzgericht.

Anderes gilt indessen, wenn das volljährige Kind schon vor der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses eine Vollzeiterwerbstätigkeit im angestrebten Beruf aufnimmt (Sächsisches FG Urteil vom 17.06.2015 - 4 K 357/11). Im vorliegenden Fall hatte eine Studentin ihre Diplomarbeit abgegeben, jedoch die Prüfungsergebnisse erst sechs Monate später erhalten. Während dieser Wartezeit war sie weiterhin an der Universität immatrikuliert und jobbte im Nebenerwerb im Schnitt nur knapp 15 Stunden in der Woche.

Weil die Nebenerwerbstätigkeit nicht einschlägig ist, galt als Ende der Berufsausbildung die Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses mit der Folge, dass die Eltern bis dahin noch Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderermäßigung hatte.

⇒    Fernes Berufsziel verlängert die Ausbildung

Der Tatbestand „Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung” i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG muss nicht bereits mit dem ersten (objektiv) berufsqualifizierenden Abschluss (z.B. in einem öffentlich-rechtlich geordneten Ausbildungsgang) erfüllt sein.

Mehraktige Ausbildungsmaßnahmen sind Teil einer einheitlichen Erstausbildung, wenn sie zeitlich und inhaltlich so aufeinander abgestimmt sind, dass die Ausbildung nach Erreichen des ersten Abschlusses fortgesetzt werden soll und das –von den Eltern und dem Kind– bestimmte Berufsziel erst über den weiterführenden Abschluss erreicht werden kann (BFH Urteil vom 15.04.2015 - V R 27/14).

Dies bedeutet: Den Eltern steht auch dann Kinderermäßigung zu, wenn der Zeitraum zwischen zwei Ausbildungsabschnitten länger ist als 4 Monate. Das Kind darf in der Zwischenzeit unbegrenzt nebenbei berufstätig sein, auch über 20 Wochenstunden hinaus (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG) und die Eltern haben weiterhin Anspruch auf Kindergeld und auf Kinderfreibeträge

Für Kindergeld und Kinderfreibeträge ist somit die Berufstätigkeit eines Kindes ohne Bedeutung, solange das Kind sein Berufsziel noch nicht erreicht hat.

Fortbildungskosten

Für den Abzug von Fortbildungskosten des Kindes gelten diese Regelungen nicht. Folglich kann für den Anspruch von Kindergeld ein mehraktiges (günstiges) Erststudium vorliegen und für die Frage, ob es sich um Werbungskosten handelt, ein (günstiges) Zweitstudium (.BMF, 8.2.2016, IV C 4 - S 2282/07/0001).

Beispiel:

Ein Kind war bis Februar 2018 in beruflicher Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik. Nach erfolgreichem Abschluss bewarb sich das Kind im selben Monat für einen Platz an einer Technikerschule sowie einer Fachoberschule für Technik. Bereits zu diesem Zeitpunkt strebte er diese Weiterbildungsmaßnahmen mit dem Fernziel der Erlangung des Abschlusses eines Elektrotechnikers oder Elektroingenieurs an.

Am 28. Februar 2018 unterschrieb das Kind im Alter von 20 Jahren einen auf zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrag in üblich bezahlter Vollzeitbeschäftigung, aufgrund dessen er von März bis Juli 2018  in seinem erlernten Beruf arbeitete. Nachdem er eine Zusage der Fachoberschule für Technik erhalten hatte, beendete er das Arbeitsverhältnis vorzeitig, um ab Mitte August 2018 diese Bildungseinrichtung besuchen zu können.

Die Eltern haben durchgängig Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge, weil der erste berufsqualifizierende Abschluss des Kindes im Februar 2018 noch nicht zu einem „Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung” geführt hat. Mangels Abschlusses einer erstmaligen Berufsausbildung i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG, kommt es auf die Erwerbstätigkeit des Kindes in den Monaten Februar bis August 2018  nicht an.

Das Kind ist auch dann zu berücksichtigen, wenn es aufgrund seiner Vollzeiterwerbstätigkeit möglicherweise gegenüber seinen Eltern –mangels Bedürftigkeit– keinen Unterhaltsanspruch hatte.

Die Eltern tragen ein

Zeile 17 Zeitraum 010217 bis 310817

Zeile 26 1 = Ja   Erwerbszeitraum 0102 bis 3108

Quelle: § 32 EStG; BFH Urteil vom 15.04.2015 - V R 27/14.