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Tipp 55 Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Anlage Kind Zeilen 44 bis 49

Allein stehende Steuerzahler erhalten für ihr Kind im Kalenderjahr einen Entlastungsbetrag von 1.908 € (Wert ab 2016). Für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um 240 € je weiterem Kind (§ 24b EStG). 

Der Entlastungsbetrag soll besondere Belastungen abgelten, die allein stehenden Steuerzahlern mit Kindern entstehen. Berechtigt sind Steuerzahler, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

⇒    Kind gehört zum Haushalt des Steuerzahlers

Voraussetzung ist, dass für das Kind Kinderermäßigung zusteht und dass das Kind zum Haushalt des Steuerzahlers gehört. Dies wird stets (unwiderlegbar) angenommen, wenn das Kind in der Wohnung des Alleinerziehenden gemeldet ist.Ist das Kind auch noch bei einem anderen Elternteil gemeldet, erhält derjenige den Entlastungsbetrag, der für das Kind Kindergeld erhält.

⇒    Der Steuerzahler muss Alleinstehender sein

Als Alleinstehender gilt, der nicht die Voraussetzungen für den Splittingtarif erfüllt.

Die Entlastung gibt es nur, wenn kein anderer Erwachsener im Haushalt lebt. Ausgenommen sind davon volljährige Kinder, für die es noch Kindergeld gibt.

Eine Haushaltsgemeinschaft (d. h. das gemeinsame Wirtschaften in einer gemeinsamen Wohnung) wird dabei immer dann vermutet, wenn eine andere Person mit Haupt- oder Nebenwohnsitz beim Alleinerziehenden gemeldet ist. Diese Vermutung kann widerlegt werden, es sei denn, der Steuerzahler lebt in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Tipp Besser Wohnungspartner statt Lebenspartner

Ist eine volljährige Person mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in der Wohnung gemeldet, wird vermutet, dass sie eine Haushaltsgemeinschaft mit dem Steuerzahler bildet (§ 24b Abs. 2 EStG). Damit entfällt der Anspruch auf den Entlastungsbetrag. Die Vermutung der Haushaltsgemeinschaft ist widerlegbar, indem z. B. vorgetragen wird, dass lediglich eine Wohngemeinschaft besteht. Dann brauchen Sie > Zeile 47 nicht auszufüllen.

⇒    Kein Splittingtarif

Voraussetzung ist weiterhin, dass der Steuerzahler mit Grundtarif veranlagt wird, also keinen Anspruch auf den Splittingtarif hat. Lebt der Steuerzahler von seinem Ehepartner getrennt mit einem Kind in seinem Haushalt, erhält er für das Jahr der Trennung nicht den Freibetrag, weil er für das Jahr der Trennung noch mit dem Ehepartner - mit Splittingtarif - zusammenveranlagt wird (§ 26 Abs. 1 Satz 1 EStG). Erst im nächsten Jahr steht der Freibetrag zu.

⇒    Kind im Auswärtsstudium

Auch wenn Ihr volljähriges Kind auswärts studiert und dort mit Hauptwohnsitz gemeldet ist, haben Sie Anspruch auf den Entlastungsbetrag, wenn Ihr Kind bei Ihnen mit Nebenwohnsitz gemeldet ist. Das Kind gehört weiterhin zu Ihrem Haushalt (BFH-Urteil vom 14.11.2001 - X R 24/99 betr. Haushaltszugehörigkeit eines im Heim für Behinderte untergebrachten Kindes).

Es geht sogar noch weiter: Wenn das Kind in der Wohnung eines Elternteils gemeldet ist, gehört es unwiderlegbar zum Haushalt dieses Elternteils, auch wenn das Kind bereits in einer eigenen Wohnung lebt (BFH Urteil vom 05.02.2015 - III R 9/13).

Quelle: § 24b EStG