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Tipp 05.0 >> Erwerbstätigkeit des Kindes / Zeile 21

Anlage Kind Zeilen 21-23

Anlage Kind Zeile 21

Für Kinder unter 18 Jahren steht, unabhängig von einer Erwerbstätigkeit, den Eltern ein Kinderfreibetrag zu. Dasselbe gilt für Kinder zwischen 18 und 25 Jahren bis zum Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung.

Kinder über 18 Jahre können nach Abschluss einer Berufsausbildung nunmehr aktiv am Erwerbsleben teilnehmen, so die Einschätzung des Gesetzgebers. Eine weitere Förderung durch Kindergeld oder Kinderfreibetrag erübrigt 

⇒   Zweite Berufsausbildung ohne Erwerbstätigkeit

Allerdings haben Eltern weiterhin Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag während einer zweiten Berufsausbildung oder während eines Zweitstudiums, wenn das Kind nicht aktiv am Erwerbsleben teilnimmt. Eine Zweitausbildung ohne Erwerbstätigkeit wird also weiterhin gefördert.

Steuerlich ohne Bedeutung ist eine Erwerbstätigkeit indessen, wenn die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit insgesamt nicht mehr als 20 Stunden beträgt. Hierbei ist von der individuell vertraglich vereinbarten Arbeitszeit auszugehen (§ 32 Abs.4 Satz 2 EStG).

Beispiel 1:

Ein Kind studiert Fachrichtung Mathematik. Vor Beginn des Studiums hat das Kind eine Berufsausbildung Fachrichtung Elektroniker abgeschlossen. Als selbständiger Programmierer mit einem Arbeitseinsatz von wöchentlich mehr als 20 Stunden nimmt das Kind während des Studiums am Erwerbsleben teil. Seine Erwerbstätigkeit führt dazu, dass die Eltern keinen Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag haben.

Beispiel 2

Ein Kind schließt nach dem Abitur eine Lehre als Koch ab und studiert ab Oktober 2014 Medizin. Gemäß vertraglicher Vereinbarung ist das Kind ab dem 1.4.2015 mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden als Bürokraft beschäftigt. In den Semesterferien arbeitet das Kind – auf Grund einer zusätzlichen vertraglichen Vereinbarung – vom 1. August bis zur Kündigung am 30.9.2015 in Vollzeit mit 40 Stunden wöchentlich. Ab dem 1.11.2015 ist das Kind gemäß vertraglicher Vereinbarung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 15 Stunden als Verkaufsaushilfe tätig. Somit ergeben sich folgende Arbeitszeiten pro voller Woche:

 vom 1. April bis 31.7.2015 (17 Wochen): 20 Stunden pro Woche

 vom 1. August bis 30.9.2015 (8 Wochen): 40 Stunden pro Woche (= Ausweitung der Beschäftigung)

 vom 1. November bis 31.12.2015 (8 Wochen): 15 Stunden pro Woche

 Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit beträgt 15 Stunden; Berechnung:

 (17 Wochen × 20 Std.) + (8 Wochen × 40 Std.) + (8 Wochen × 15 Std.)  = 15 Std. 

52 Wochen    

Das Kind ist auf Grund des Studiums das gesamte Jahr 2015 nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 EStG zu berücksichtigen. Das Studium wird jedoch nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung durchgeführt, sodass das Kind nach § 32 Abs. 4 Satz 2 und 3 EStG nur berücksichtigt werden kann, wenn die ausgeübte Erwerbstätigkeit unschädlich ist. Da die Ausweitung der Beschäftigung des Kindes lediglich vorübergehend ist und gleichzeitig während des Vorliegens des Grundtatbestandes nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr, 2 EStG die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden nicht übersteigt, ist die Erwerbstätigkeit unschädlich. Das Kind ist während des gesamten Kalenderjahres zu berücksichtigen.

Variante:

Würde das Kind während der Semesterferien dagegen vom 1. Juli bis 30.9.2015 (= mehr als zwei Monate) vollzeiterwerbstätig sein, wäre die Ausweitung der Erwerbstätigkeit nicht nur vorübergehend und damit diese Erwerbstätigkeit als schädlich einzustufen. Dies gilt unabhängig davon, dass auch hier die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden nicht überschritten werden würde. Das Kind könnte demnach für die Monate Juli, August und September 2015 nicht berücksichtigt werden.

Quelle: BMF-Schreiben vom 8.2.2016 / Tipp 10

Ausbildungsdienstverhältnis

Wenn das Kind in einem Ausbildungsdienstverhältnis steht, erhalten die Eltern weiterhin Kindergeld oder den Kinderfreibetrag. Ein Ausbildungsdienstverhältnis liegt dann vor, wenn die Ausbildung in einem Dienstverhältnis ausgeübt wird (R 9.2 LStR). Zu den Ausbildungsdienstverhältnissen zählen z.B. die Tätigkeit als Auszubildender (vormals Lehrling), Beamtenanwärter oder als Referendar (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG).

Geringfügige Beschäftigung (Mini-Job)

Eine geringfügige Beschäftigung des Kindes im Sinne der §§ 8 und 8a SGB IV ist für den Bezug von Kindergeld oder den Abzug von Kinderfreibeträgen unschädlich (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG). Eine solche Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt regelmäßig im Monat 450 € nicht überschreitet (geringfügig entlohnte Beschäftigung). Die wöchentliche Arbeitszeit und die Anzahl der monatlichen Arbeitseinsätze sind dabei unerheblich.

Eine geringfügige Beschäftigung liegt nach § 8 Absatz 1 Nummer 2 SGB IV ebenfalls vor, wenn das Entgelt zwar 450 Euro im Monat übersteigt, die Beschäftigung aber innerhalb eines Kalenderjahres auf längstens zwei Monate oder 50 Arbeitstage begrenzt ist (kurzfristige Beschäftigung). Der Zwei-Monats-Zeitraum gilt als zeitliche Grenze, wenn die Beschäftigung an mindestens 5 Tagen pro Woche ausgeübt wird. Bei Beschäftigungen von regelmäßig weniger als 5 Tagen pro Woche ist die Begrenzung von 50 Arbeitstagen maßgeblich. 

Quelle: § 32 EStG