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Tipp 16 Kinder über 18 / Berufsausbildung / Basis

Anlage Kind

Für Kinder bis 18 Jahren besteht Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge ohne jegliche Voraussetzungen, wenn der Steuerzahler zu dem Kind in einem Kindschaftsverhältnis steht. Sie erhalten also Kindergeld oder Kinderfreibeträge bis einschließlich des Monats, in dem der 18. Geburtstag liegt.

⇒   Kinder über 18 Jahre

Für Kinder zwischen 18 und 25 Jahre besteht indessen nur Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge, wenn sich das Kind in Ausbildung befindet.

⇒   Berufsausbildung

Als Berufsausbildung ist die Ausbildung für einen künftigen Beruf zu verstehen. In der Berufsausbildung befindet sich, wer sein Berufsziel noch nicht erreicht hat, sich aber ernstlich darauf vorbereitet (>BFH vom 9.6.1999 – BStBl II S. 706).

Zur Berufsausbildung gehört der Besuch von Allgemeinwissen vermittelnden Schulen, auch der Besuch von Hochschulen und Fachschulen, die Ausbildung für einen handwerklichen, kaufmännischen oder technischen Beruf und die Ausbildung in der Hauswirtschaft aufgrund eines Berufsausbildungsvertrages oder an einer Lehranstalt. Dazu Anlage Kind Zeile 15

Bitte fügen Sie für die über 18 Jahre alten Kinder die entsprechenden Unterlagen oder Bescheinigungen bei (z. B. Schul- oder Studienbescheinigung, Ausbildungsvertrag oder Ausbildungsbescheinigung).

Masterstudium gehört zur Erstausbildung

Ein Masterstudium ist jedenfalls dann Teil einer einheitlichen Erstausbildung, wenn es zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist und das –von den Eltern und dem Kind– bestimmte Berufsziel erst darüber erreicht werden kann (BFH Urteil vom 03.09.2015 - VI R 9/15 entgegen BMF-Schreiben vom 7. Dezember 2011 IV C 4-S 2282/07/0001-01, BStBl I 2011, 1243). Dies bedeutet: Die Eltern erhalten weiterhin Kindergeld oder Kinderermäßigung, unabhängig davon, ob das Kind nebenbei erwerbstätig ist oder nicht.

Monatsprinzip

Für volle Kalendermonate, in denen diese Voraussetzungen nicht vorgelegen haben, wird kein Freibetrag für Kinder gewährt. Es gilt also das Monatsprinzip.

Das Monatsprinzip bedeutet: Den vollen Jahresbetrag der Kinderermäßigung erhalten Sie nur, wenn Sie für das gesamte Kalenderjahr, also vom 01.01. bis 31.12. die Voraussetzungen nachweisen. Dabei werden angefangene Monate zu Ihren Gunsten voll mitgezählt. Fehlende Monate zieht der Fiskus ab, indem er »zwölftelt«.

Beispiel:

Ein Kind, geb. am 17. Januar 1999, vollendet am 16. Januar 2017 sein 18. Lebensjahr. Den Eltern steht zunächst nur für Januar 2017 die Kinderermäßigung in Höhe von 1/12 des Jahresbetrages zu, weil das Kind im Januar unter 18 Jahre alt war. Für den vollen Jahresbetrag fehlen noch 11 Monate. Weil das Kind im gesamten Kalenderjahr 2017 weiterhin die Schule besucht, beantragen die Eltern die restlichen 11 / 12 der Kinderermäßigung, indem sie eintragen:

Zeile 17                                                            0102 3112

Zeile 18 Gymnasium Johann Konrad Schlaun in Münster

Überbrückungsjob bis vier Monate

Nicht immer geht der Übergang von einer Ausbildungsstufe in die nächste, z. B. der Übergang von der Schule zur Uni, nahtlos vonstatten. Man spricht dann von einer Zwangspause. Wenn die Zwangspause indessen nicht länger als vier Monate dauert, erhalten Sie weiter Kindergeld oder Kinderfreibeträge. Dies gilt auch dann, wenn Ihr Kind die Unterbrechung nutzt und einige Tausend Euro zur Finanzierung des Studiums verdient.

Übrigens:

Nicht zur Übergangszeit (zur Zwangspause) rechnet die Zeit der Unterbrechung z. B. durch Krankheit. Für diese Zeit steht weiterhin Kindergeld oder Kinderermäßigung zu. Dasselbe gilt, wenn das Kind die Ausbildung aufgrund der gesetzlichen Mutterschutzfristen nicht beginnen oder fortsetzen kann.

Für den Viermonatszeitraum werden angebrochene Monate nicht mitgerechnet, es zählen also nur volle Kalendermonate.

Beispiel:

Schulabschluss (Bekanntgabe der Noten / Zeugnis) am 15. Mai. Der Viermonatszeitraum beginnt am 01. Juni und endet am 30. September. Bis dahin muss das Kind mit einer weiteren Ausbildung begonnen oder sich um einen Ausbildungsplatz beworben haben.

Die Eltern tragen ein:

Zeile 16    1. Ausbildungsabschnitt 010117 bis 150517

Zeile 16    2. Ausbildungsabschnitt 150917 bis 311217

Zeile 17   Gesamtschule Saerbeck    Fachhochschule Paderborn

In diesem Fall haben die Eltern durchgängig Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge. Der maßgebliche Viermonatszeitraum zwischen zwei Ausbildungsabschnitten ist nicht überschritten.

Abschluss der Berufsausbildung

Nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung / eines Erststudiums werden volljährige Kinder nur berücksichtigt, wenn sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen und das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium sind grundsätzlich abgeschlossen, wenn sie das Kind zur Aufnahme eines Berufs befähigen. Eine weiterführende Ausbildung gehört noch zur erstmaligen Berufsausbildung oder zum Erststudium, wenn sie im zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit dem Abschluss der vorangegangenen Ausbildung durchgeführt wird.  

Kinderfreibeträge in der Zweitausbildung

Mit Abschluss der ersten Berufsausbildung ist für die Eltern im Prinzip der Anspruch auf Kinderermäßigung erloschen, denn nun kann das Kind für sich selbst sorgen.

Allerdings haben Eltern weiterhin Anspruch auf die Kinderfreibeträge während einer zweiten Berufsausbildung oder während eines Zweitstudiums, wenn das Kind tatsächlich nicht aktiv am Erwerbsleben teilnimmt. Das ist der Fall, wenn die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit insgesamt nicht mehr als 20 Stunden beträgt.

Dazu werden Fragen in den Zeilen 23 bis 27 der Anlage Kind gestellt.