Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

1.0 Steuererklärung - wichtige Inhalte

Einkommensteuererklärung 

In diesem Kapitel finden Arbeitnehmer, Kapitalanleger, Rentner und Steuerpflichtige mit Vermietungseinkünften alles Wissenswerte für die Abgabe der Einkommensteuererklärung.

Wichtig

♦   Abgabepflicht 

Eine Einkommensteuererklärung muss abgegeben werden, wenn eine Veranlagung zur Einkommensteuer in Betracht kommt, so steht es im Gesetz (§ 25 Abs. 3 EStG i. V. mit § 56 EStDV). Ob eine Veranlagung in Betracht kommt, muss der Steuerpflichtige selbst für sich feststellen.

So kommt eine Veranlagung zur Einkommensteuer in Betracht, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG) den Grundfreibetrag nach 32a Abs. 1 EStG (10.347 € / Wert für 2022) übersteigt. 

Außerdem: Eine Steuererklärung sollte stets - freiwillig - abgegeben werden, wenn eine Erstattung von Einkommensteuer zu erwarten ist.

  • Abgabefristen für Steuererklärung 2021
I.  Pflichtabgabe für 2021  
1. Allgemein * Bis 31. Juli 2022
2. Kirchensteuer auf Kapitalerträge erklären Bis 31. Juli 2022
II. Freiwillige Abgabe für 2021  
1. Allgemein Bis 31. Dez. 2025
2. Arbeitnehmer-Sparzulage beantragen Bis 31. Dez. 2025
3. Verbleibenden Verlustvortrag feststellen lassen Bis 31. Juli  2022

* Wenn ein Lohnsteuerhilfeverein oder ein Steuerberater die Steuererklärung für Sie abgibt, endet die Frist erst am 28. Februar 2023.

? Abgabefristen: Begriff eingeben + Suchen antippen

♦   Digitale Abgabe nur mit Benutzerkonto

Wenn Sie Ihre Steuererklärung auf Papierformularen abgeben, genügen dem Finanzamt als Zuordnungsmerkmale Ihre Steuernummer und für mitteilungspflichtige Daten Dritter Ihre Identifikationsnummer. 

Für die digitale Abgabe der Steuererklärung benötigen Sie zusätzlich ein Benutzerkonto, für das Sie sich registrieren lassen müssen. Die Registrierung geht direkt über das Elster-Portal der Steuerverwaltung oder über ein kommerzielles Steuerprogramm.

Für die Registrierung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Im Normalfall fällt die Wahl auf die sog. Zertifikatsdatei in Verbindung mit einem Passwort.

⇒   Steuerhelfer hinzuziehen 

Eine Steuererklärung lässt sich nicht so ohne Weiteres aus dem Ärmel schütteln. Und außerdem: Wenn es um die eigenen Finanzen und Steuern geht und Fachwissen gefordert wird, ist es absolut verständlich, dass man vorsichtig ist und sich Rat holt. 

Die erste Steuererklärung ist die schwerste. Daher ist es bei der ersten Steuererklärung ratsam, einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein damit betrauen. 

Die zweite Steuererklärung und alle weiteren sollten Sie sodann in eigener Regie erledigen, da Sie mit der ersten eine Vorlage haben und zudem eine Datenübernahme aus dem Vorjahr vornehmen können.

Als Steuerhelfer kommen in Betracht:

♦  Gewerbliche Steuerprogramme?

Steuerprogramme können eine steuerliche Beratung nicht ersetzen. Ein gutes Steuerprogramm kann Ihnen indessen helfen, die Steuererklärung selbst zu machen.

Von Stiftung Warentest / Finanztest getestet und für gut befunden ist die Down-Loud Software von Wiso und von Buhl-Data (Kostenpunkt rd. 40 €), auch gut und preiswerter Tax.

♦   Alternative zu gewerblichen Programmen

Elster bietet die Möglichkeit, die Steuererklärung kostenlos zu erledigen, allerdings ohne ergänzende Steuertipps. Hier sind den Finanzämtern die Hände gebunden, weil sie Hinweise, bei denen die Erzielung eines Steuervorteils im Vordergrund steht, nicht erteilen sollen (Anwendungserlass zu § 89 AO, Tz. 3.5.4). Allerdings hat ELSTER Vorteile:

  • Erster Vorteil bei Elster:

Sie können unser Portal "HELFER IN STEUERSACHEN" dazu nehmen: 

Mit HELFER IN STEUERSACHEN haben Sie für die Abgabe der Steuererklärung mit ELSTER ein Arbeitsbuch zur Hand, das alle wichtigen Fragen beantwortet, dazu gibt es viele Steuertipps. Die Steuerformulare werden Zeile für Zeile durchgegangen. Aus praktischen Gründen verwenden wir für Eintragungsbeispiele die "grünen" Papierformulare.

  • Zweiter Vorteil bei Elster:

Die Einkommensteuer wird bei ELSTER sofort auf der Grundlage der eingetragenen Daten berechnet. Die Berechnung ist fehlerfrei, weil dieselbe Software zugrunde liegt wie sie auch für die endgültige Steuerberechnung verwendet wird. Dies ist bei gewerblichen Steuerprogrammen nicht der Fall. 

♦   Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein? 

Wenn Sie einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein mit der Abgabe Ihrer Steuererklärung betrauen, haben Sie zwar weniger Mühe und die Steuererklärung kann ein halbes Jahr später, erst bis Ende Februar des übernächsten Jahres, abgegeben werden. Allerdings haben Sie zusätzliche Kosten und auch Termine für die Beratung wahrzunehmen. 

  • Was ist ein Lohnsteuerhilfeverein?

Ein Lohnsteuerhilfeverein ist eine Selbsthilfeeinrichtung für Arbeitnehmer zur Hilfeleistung in Lohnsteuersachen und in speziellen Einkommensteuerveranlagungsfällen (§ 13 Steuerberatungsgesetz / StBerG). Ziel des Gesetzgebers ist es, Arbeitnehmern eine steuerliche Beratung zu angemessenen Kosten zu ermöglichen. Im Gegensatz zu Steuerberatern dürfen indessen Lohnsteuerhilfevereine nur begrenzte Hilfe in Steuersachen leisten (§ 4 Nr. 11 StBerG).

? Steuerberatungsgesetz: Begriff eingeben + Suchen antippen

  • Steuerberatungskosten als Werbungskosten abziehen

Steuerberatungskosten können Sie steuerlich nur geltend machen, wenn und soweit diese durch eine bestimmte Einkunftsart veranlasst sind (BFH-Urteil vom 4. Februar 2010 - X 10/08). Was nicht durch Ermittlung der Einkünfte veranlasst ist, ist Privatsache, einen Steuernachlass gibt es dafür nicht. 

Steuerberatungskosten im Zusammenhang mit Kapitaleinkünften sind indessen nicht abzugsfähig, weil bereits durch den Sparer-Pauschbetrag abgegolten (§ 20 Abs. 9 EStG).

  • Datenübernahme

Durch eine Datenübernahme können Sie Arbeit und Zeit sparen. Sie wählen ein Formular einer früheren Abgabe aus und das System kopiert automatisch alle Daten in das neue Formular.

In der Regel werden alle Angaben in das neue Formular übernommen. Aufgrund von Gesetzesänderungen können sich Formulare ändern. Einzelne Angaben können daher nicht immer übernommen werden.

Übernommene Angaben können Sie im nächsten Schritt anpassen und ergänzen.

  • Beginn der Bearbeitung der Steuererklärungen in den Finanzämtern

Die Finanzämter beginnen mit der Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen des vorherigen Kalenderjahres jedes Jahr grundsätzlich ab dem 15. März (bundeseinheitlicher Termin). Dies liegt daran, dass ein Großteil der steuerlich relevante Daten zur Einkommensteuererklärung z. B. zum Lohn und zu Lohnersatzleistungen (Arbeitslosengeld, Elterngeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld, etc.), zu Renten, zu Beiträgen zur Kranken-/Pflegeversicherung und zur Altersversorgung von einer Vielzahl von Behörden, Versicherungen und anderen Institutionen auf elektronischem Wege übermittelt wird.

Da die Finanzämter sicher sein müssen, dass die elektronisch zu übertragenden Daten auch vollständig vorliegen – Frist hierfür ist der 28./29. Februar des Folgejahres, für das die Daten zu übermitteln sind – kann mit der Bearbeitung der Einkommensteuererklärungen grundsätzlich nicht vor dem 15. März begonnen werden. 

Die ersten Einkommensteuerbescheide können aus diesen Gründen nicht vor Ende März versendet werden.

♦   Automationsgestützte Bearbeitung der Steuererklärung

Die Finanzämter müssen zwar die Sachverhalte der Steuererklärungen von Amts wegen feststellen und haben dabei alle für den Einzelfall bedeutsamen, auch die für die Beteiligten günstigen Umstände, zu berücksichtigen (Untersuchungsgrundsatz / § 88 Abs. 1 AO).

Nach § 88 Abs. 3 AO können die Finanzämter indessen Steuererklärungen auch  automationsgestützt erledigen. Damit soll einerseits die Bearbeitung risikoarmer Fälle beschleunigt und andererseits prüfungsrelevante Fälle erkannt werden (§ 88 Abs. 5 AO). Ziel ist, ohne jegliches Eingreifen eines Finanzbeamten eine vollautomatische Steuerfestsetzung durchzuführen, möglichst über ELSTER eingegangene Steuererklärungen bis zur Erteilung des Steuerbescheids (§ 155 Abs. 4 AO). 

♦   Persönliche Bearbeitung auf Antrag

Die Steuerpflichtigen haben indessen die Möglichkeit, in jedem Fall eine persönliche Bearbeitung zu veranlassen (§ 150 Abs. 7 AO), z. B. wenn er eine nähere Prüfung eines bestimmten Sachverhalts erwünscht ist bzw. eine besondere Rechtsfrage geklärt werden soll oder wenn der Steuerpflichtige in der Steuererklärung Angaben gemacht hat, die auf einer abweichenden Rechtsauffassung beruhen. Dazu ist in Zeile 45 des Hauptvordrucks eine "1" in Kennzahl 175 einzutragen. Damit wird dem Bearbeiter außerdem angezeigt, dass weitere Angaben außerhalb der Steuererklärungsvordrucke auf einer eigenen Anlage zur Steuererklärung gemacht wurden. Aufgepasst: Dann wird die Steuererklärung individuell bearbeitet, d. h. sie wird als Arbeitsauftrag für den Sachbearbeiteter abgezweigt. Wer das nicht möchte, sollte sorgsam überlegen, ob ein Eintrag in Zeile 45 und ein Begleitschreiben notwendig sind.   

Hauptvordruck Papierformular

  • Verbindliche Auskunft gebührenpflichtig

Die Finanzämter können auf Antrag verbindliche Auskünfte über die steuerliche Beurteilung von genau bestimmten, noch nicht verwirklichten Sachverhalten erteilen, wenn daran im Hinblick auf die erheblichen steuerlichen Auswirkungen ein besonderes Interesse besteht (§ 89 Abs. 2 AO). Dafür wird eine Gebühr erhoben (§ 89 Abs. 3 AO).

? Verbindliche Auskunft: Begriff eingeben + Suchen antippen

  • Automatische Veranlagung günstiger

Dass die abgegebene Steuererklärung ungeprüft im Finanzamt durchgeht ist heutzutage kein Wunschdenken mehr. Denn alle Steuererklärungen durchlaufen zunächst einen Risikofilter. Die meisten davon werden dabei zur vollautomatischen Bearbeitung weitergeleitet. 

Erklärungen mit  bestimmten steuerrelevanten Sachverhalten werden indessen angehalten (Risikoauswahl) und erst nach näherer Prüfung veranlagt. Die Risikoauswahl ist geheim, Einzelheiten der Risikomanagementsysteme dürfen nicht veröffentlicht werden (§ 88 Abs. 5 Satz 4 AO). 

Für die Finanzämter ist dies keine leichte Aufgabe, weil der Risikofilter an die jeweilige Personalsituation angepasst werden muss. Herrscht Personalmangel, können nicht alle ausgesteuerten Steuerfälle zeitgerecht bearbeitet werden. Dann wird der Filter "gröber" eingestellt und manch falsche Steuererklärung läuft unbemerkt durch, so ein Pech auch (Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens vom 12.5.2016).

Tipp Möglichst kein Begleitschreiben

Wenn Sie möchten, dass Ihre Steuererklärung möglichst geräuschlos über die Bühne geht, sollten Sie kein Begleitschreiben beifügen. Mit einem Begleitschreiben wird Ihre Steuererklärung nicht zur automatischen Bearbeitung weitergeleitet, sondern landet auf dem Tisch / im Computer des Bearbeiters. Ob der Bearbeiter dann Ihre Steuererklärung so ohne weiteres freigibt, ist nicht ausgemacht.

♦   Nachweise / Belegvorhaltung

Es besteht keine gesetzliche Pflicht, Belege zusammen mit der Steuererklärung einzureichen. Diese Regelung spart Kosten, denn damit entfallen Belegsichtung und Rücksendung.

Der Belegverzicht gilt auch für Steuerbescheinigungen zur Anrechnung von Kapitalertragsteuer (§ 36 Abs. 2 Nr. 2 Satz 3 EStG) oder für Nachweise über steuerbegünstigte Zuwendungen (Spenden und Mitgliedsbeiträge, § 50 Abs. 8 EStDV).

Die Belege müssen aber zumindest bis zur Rechtskraft des Steuerbescheides, d. h. bis zum Ablauf der Einspruchsfrist bzw. bis zum Abschluss eines Einspruchsverfahrens aufbewahrt und auf Anforderung des Finanzamts eingereicht werden.

Eine Sonderregelung gilt für Nachweise bei  Behinderung. Wird der Pauschbetrag wegen Behinderung erstmals geltend gemacht oder ändern sich die Verhältnisse (insbesondere der Grad der Behinderung oder Merkzeichen), ist die Vorlage einer Kopie des Schwerbehindertenausweises weiterhin vorgeschrieben (§ 65 Abs. 3 EStDV).