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2.2.2 Pflegekosten / Kosten im Pflegeheim

Die besten Steuertipps

Die Aufwendungen für eine Unterbringung im Pflegeheim wegen Pflegebedürftigkeit sind wie Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 EStG abzugsfähig. Zu den abzugsfähigen Aufwendungen gehören sowohl die Kosten für medizinische Leistungen und Pflege als auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, wenn die Einrichtung ein Heim i. S. des Heimgesetzes ist.

Das Finanzamt kürzt die Pflegekosten indessen um die Haushaltsersparnis (BFH Urteil vom 4.10.2017 – VI R 22/16) und um die zumutbare Belastung (§ 33 Abs. 3 EStG).

Zum Nachweis der Pflegebedürftigkeit genügt ein Pflegegrad von 2 bis 5 oder eine Behinderung mit Merkzeichen "H" (hilflos) oder "BL" (Blind) im Behindertenausweis (BFH Urteil v. 9.12.2010 - VI R 14/09, BFH/NV 2011 S. 892). Pflegebedürftigkeit kann auch durch ein fachärztliches Gutachten erbracht werden (BFH Urteil vom 13.10.2010-VI R 38/09).

Das Gesetz macht keinen Unterschied zwischen Pflegekosten für den Steuerzahler selbst oder solchen für den Ehepartner oder für ein eigenes Kind, das etwa im Heim gepflegt wird.

♦   Die leidige Haushaltsersparnis

Das Finanzamt kürzt die abzugsfähigen Heimkosten um eine sog. Haushaltsersparnis wegen ersparter Verpflegungs- und Wohnungskosten. Dies gilt aber nur, wenn im Zusammenhang mit der Heimunterbringung der eigene Haushalt aufgelöst wird. Die Haushaltsersparnis entspricht dem Unterhaltshöchstbetrag Grundfreibetrag gemäß § 33a Abs. 1 EStG.

Bei Auflösung des Haushalts ist somit von den Aufwendungen eine Haushaltsersparnis von 27 € täglich, 832 € monatlich und 9.984 € jährlich (Werte für 2022) abzuziehen. Sind beide Ehepartner krankheitsbedingt in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden der Ehepartner eine Haushaltsersparnis anzusetzen.

Dies bedeutet im Umkehrschluss: Die abzugsfähigen Heimkosten dürfen nicht um eine Haushaltsersparnis gekürzt werden, solange der Pflegebedürftige seinen Haushalt beibehält. Denn in diesem Fall hat er weiterhin Fixkosten des Haushalts, wie Miete, Grundgebühr für Strom, Wasser usw.. Eine allgemeingültige zeitliche Begrenzung gibt es hierfür nicht (BFH Urteil vom 10.08.1990 - III R 2/86).

Übrigens: Die Wohnung wird auch dann beibehalten, wenn sie vom Ehepartner, der nicht im Heim lebt, weiter bewohnt wird.

Berechnungsbeispiel: Der Gesamtbetrag der Einkünfte des Steuerpflichtigen (Pflegeperson) beträgt 30.000 €, entscheidend für die Höhe der zumutbaren Belastung.

Gesamtkosten für die Unterbringung im Pflegeheim 38.000 €  
- Erstattung durch die Pflegeversicherung 17.000 €  
Verbleibende Pflegekosten 21.000 €  > 21.000 €
- Haushaltsersparnis (Grundfreibetrag für 2021)     - 9.744 €
Verbleiben   11.256 €
- Zumutbare Belastung: 5 % von 15.340 € =    767 €

                                       6 % von 14.660 € =    879 €

  Summe                                       30.000  €   1.646 €

   - 1.646 €
Außergewöhnliche Belastungen (Kosten im Pflegeheim)   9.610 €


♦   Haushaltsnahe Aufwendungen

Für den Teil der Pflegekosten, der wegen Abzugs der zumutbaren Belastung nicht berücksichtigt wird, können Sie in den Zeile 21 der Anlage Außergewöhnliche Belastungen die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Aufwendungen (§ 35a EStG) beantragen. Die Aufwendungen werden automatisch vom Finanzamt als Pflege- und Betreuungsleistung im Haushalt erfasst.

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